Freitag, 18. Dezember 2009

Klima-Imperialismus bestimmt die Verhandlungen in Kopenhagen



Festhalten an fossilen Energien, Profit-Interessen und Imperialismus durchziehen das Hauen und Stechen zwischen den Staaten beim UN-Klimagipfel. Auf dem Rücken der Ärmsten tragen die Reichen und Mächtigen ihren Konkurrenzkampf aus. Von Pickelhering
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Beim UN-Gipfel in Kopenhagen geht es nicht um Klimaschutz. »Die Verhandlungen über den Klimawandel sind letzten Endes vor allem Verhandlungen über wirtschaftliche Interessen.« Dieser Satz stammt nicht etwa aus dem Munde von einem der 100.000, die am vergangenen Samstag für ein faires, verbindliches und weitreichendes Abkommen zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes in Kopenhagen auf die Straße gegangen sind.

Gesagt hat ihn der indische Verhandlungsführer für den UN-Gipfel, Shyam Saran. Er fügte hinzu, dass die indische Regierung sich nicht in eine Position manövrieren lassen wolle, »die unsere ökonomischen Interessen beschädigt.« Ähnliches hat man in den letzten Tagen auch aus dem Mund von Bundeskanzlerin Merkel gehört. Und die beiden größten Kontrahenten auf dem Gipfel, USA und China, agieren entsprechend.

»Planet not Profit«

Die unerwartete Größe des Protestes in Kopenhagen erklärt sich auch daraus, dass einem guten Teil der Klimaaktivisten klar ist, dass es den Regierungen nicht einfach an »politischem Willen« mangelt, ein wirksames Abkommen zu beschließen. Viele Klimaaktivisten hielten am Samstag auch Schilder hoch mit der Parole »Planet not Profit« (Umwelt statt Profite) - und machten damit deutlich, dass sie sehr wohl wissen, dass die verhandelnden Regierungen auf der Seite ihrer Konzerne stehen. Diese aber machen ihr Geld mit Öl, Kohle und Gas oder sind davon abhängig.

Global sind 13 Billionen US-Dollar an Investitionen direkt an die ölfördernde Industrie gebunden. Auch die Auto-, LKW- und Flugzeughersteller samt Zulieferer, der Straßenbau, Transportfirmen, Zulieferer für Öl-, Kohle- und Gasunternehmen, die Petrochemie, Künstdünger- und Stahlproduzenten und andere sind an das herrschende fossile Wirtschaften gebunden.

Mehr noch: Neun der zehn größten Konzerne der Welt, mit einem Umsatz von hunderten Milliarden US-Dollar, machen ihren Profit im fossilen Sektor. Durch die Adern des Kapitalismus fließt schwarzes Blut: Öl.

Fossiler Kapitalismus: Der »schwarze Block«

Diesem fossilen »schwarzen Block« der Konzerne gegenüber sind erneuerbare Energien trotz gestiegener Umsätze im Nachteil. Denn über die globalen Märkte fließt massiv Kapital zu den Konzernen, die mit Öl, Kohle und Gas Geschäfte machen. Mit fossilen Energien lassen sich höhere Gewinne erzielen. Wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Energie wachsen die Profite dieser Konzerne - und damit ihre Macht.

Hinzu kommt die über die letzten 100 Jahre gewachsene enge Vernetzung zwischen Politik und fossiler Wirtschaft. Letztere hat in diesem Zeitraum eine Machtposition gewonnen, die man nicht mit den Mitteln der Konkurrenz auf den Märkten aushebeln kann. Denn die Märkte sind das Spielfeld der fossilen »global players«.

Spanischer Solarmarkt zusammengebrochen

Zwar ist der Hinweis richtig, dass sich auch mit grüner Energie Gewinne machen lassen und Erneuerbare-Energien-Unternehmen sich am Markt etabliert haben. Aber die Bilanz ist keineswegs so rosig, wie es die Vielzahl an Nachrichten über das Wachstum von Windkraft und Co. nahe legen. In Spanien zum Beispiel ist der »Solarmarkt nach der Deckelung der Förderung fast komplett zusammengebrochen«, berichtete das »photovoltaik-Magazin«. Die Prognosen für die deutsche Branche für das kommende Jahr seien »eher vage«.

Das Handelsblatt schrieb bereits im Frühjahr: »Doch der Preisrutsch für Solarzellen und Überkapazitäten in der Produktion machen der einstigen Boombranche zu schaffen.« Eigentlich sollten sinkende Preise für Solarzellen und »Überkapazitäten« doch eine gute Nachricht sein: Mehr billige und saubere Energie könnte produziert werden. Doch Solarunternehmer zucken dabei zusammen, statt sich zu freuen: Sinkende Preise bei hohem Konkurrenzdruck gefährden ihre Profite - und damit ihr Unternehmen. Auch für »grünes Kapital« gelten die Spielregeln der Marktwirtschaft. Planet AND profit - das funktioniert nicht.

Globale Stromproduktion

Wie sieht das gesamte Bild für erneuerbare Energien aus? Trotz des großen Potentials leider nicht gut. Seit dem Jahr 1990 ist die Produktion erneuerbarer Energien jährlich nur mit einer durchschnittlichen Rate von 1,8 Prozent gewachsen - und entspricht damit der Wachstumsrate der weltweiten Primärenergieversorgung. Das heißt: Es kann keine Rede davon sein, dass erneuerbare Energien den fossilen den Rang streitig machen.

Schlechter noch sieht es bei der Elektrizität aus: Zwischen 1990 und 2005 ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien global um durchschnittlich 2,4 Prozent jährlich gewachsen. Das ist zu wenig. Denn damit liegt sie unter der Wachstumsrate der Elektrizitätserzeugung insgesamt, die in dem Zweitraum bei 2,9 Prozent lag.

In anderen Worten: Der Gesamtanteil erneuerbarer Energien an der globalen Stromproduktion ist zwischen 1990 und 2005 gesunken - von 19,5 Prozent auf 17,9 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass Strom eine herausragende Bedeutung für alle Bereiche kapitalistischer Wirtschaft hat - und diese Bedeutung gestiegen ist - müssten die oben genannten Zahlen Vertreter eines »grünen Kapitalismus« eigentlich sehr nachdenklich stimmen.

Banken werden gerettet, Entwicklungsländer im Stich gelassen

»Wäre die Welt eine Bank, ihr hättet sie längst gerettet« - dieser Slogan stand auf einem fünf mal sechs Meter großen Banner, das Greenpeace Anfang März an der Fassade der »Hypo Real Estate« in München angebracht hatte. Mehr als 100 Milliarden Euro Staatshilfen und -garantien hat allein dieses Finanzinstitut erhalten. Steuerzahler müssen für Schäden aufkommen, die Bankmanager durch Spekulation verursacht haben.

Besser angelegt wäre das Geld, wenn damit Arbeitsplätze geschaffen, Bildung und der Umstieg auf erneuerbare Energien finanziert würde - und eben die dringend nötigen Anpassungen an den Klimawandel, vor allem in den ärmsten Ländern. Doch davon ist keine Rede.

Nach der Finanzkrise und angesichts der billionenschweren globalen Rettungspakete für Spekulanten können Wirtschaftsverbände und Regierungen nicht mehr glaubhaft behaupten, dass kein Geld für Umweltschutz und Armutsbekämpfung vorhanden sei. Für die Finanzinstitute war es da. Und es wurde dermaßen schnell bereitgestellt, dass Otto und Emma Normalverbraucher sich verwundert die Augen gerieben haben.

Marionetten der Konzerne

Warum also das elende Feilschen auf dem Klimagipfel? Weil das internationale Hauen und Stechen um Märkte und Macht durch die Finanz- und Wirtschaftskrise intensiver geworden ist. Hierin liegt ein weiterer Grund für die scharfen Kontroversen zwischen den Verhandlern. Jeder will, dass der andere zahlt. Hinter der dünnen Fassade der Klimapolitik werden in Wirklichkeit Geld- und Machtfragen ausgefochten. Auf der riesigen Klimademonstration am 12. Dezember hatten sich Aktivisten als Politiker verkleidet, die wie Marionetten an Fäden hingen und hohle Phrasen vom Blatt ablasen. An welchen Fäden hängen sie? An denen der Konzerne.

Den Preis dafür zahlen vor allem die Ärmsten der Armen. Die so genannte dritte Welt kämpft nicht nur mit Armuts- und Hungerkrisen, die durch ein ungerechtes Weltwirtschafts- und Finanzsystem angeheizt werden. Die Herrschenden dieser Welt bürden ihnen zusätzlich die Lasten einer Umweltkrise auf, die von den Reichen und Mächtigen verursacht worden ist.

Reiche werden reicher ...

Anlässlich des Treffens der acht mächtigsten Industriestaaten der Welt vor zwei Jahren in Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) stellte der Handelsexperte des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED), Michael Frein, fest: »In der G-8-Agenda wird Afrika als eine Art Rohstofflager angesehen«. Die Industrieländer wollten vor allem ihren Zugang zu den Rohstoffen sichern. »Die G8-Politik nützt den Konzernen und schadet den Armen«, sagte er. In Kopenhagen zeigt sich erneut, wie richtig diese Kritik ist.

Laut der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung FAO leiden weltweit mehr als 850 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung. Täglich sterben weltweit 25.000 Menschen an Hunger. Seit 1995 ist die Zahl der Hungernden laut FAO um 28 Millionen Menschen gestiegen. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt von weniger als 1 Euro und 72 Cent pro Tag. Besonders in afrikanischen Ländern südlich der Sahara hat das Elend zugenommen.

Im krassen Gegensatz zur Armut vieler, haben einige wenige ungeheuren Reichtum angehäuft. Die 1000 reichsten Menschen der Welt verfügen über 3500 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte davon würde ausreichen, um alle Schulden der Entwicklungsländer zu tilgen. Die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung besitzen 85 Prozent des Weltvermögens. Wer zu dieser Gruppe gehört, besitzt im Durchschnitt 40mal mehr als der Weltdurchschnittsbürger. Die Hälfte der erwachsenen Weltbevölkerung hingegen besitzt nur 1 Prozent des Weltvermögens (siehe auch: »Wie die G8 die Dritte Welt zerstören«, Pickelhering bei: marx21.de vom 7. Juli 2007).

... Arme werden ärmer

Kanzlerin Merkel und andere Regierungschefs entwickelter Industriestaaten tun dabei so, als wenn sie bereits genug Entwicklungshilfe leisten würden. Das ist eine Lüge. Das Geld fließt nicht etwa vom reichen Norden in den armen Süden, sondern genau in die umgekehrte Richtung. Nach Angaben der Weltbank strömten im Jahr 2004 über 333 Milliarden US-Dollar an Kreditrückzahlungen aus dem Süden in den Norden. Das war mehr als dreimal so viel wie die kombinierte Entwicklungshilfe aller Industriestaaten zusammen. In Wahrheit ziehen Bosse und Politiker den Ärmsten nicht nur das letzte Hemd aus, sie klauen ihnen auch noch die löchrigen Socken.

Klima-Imperialismus

Wer sich diesem globalen Ausbeutungsregime nicht unterwerfen will, wird von den Reichen und Mächtigen bedroht: mit Entzug von Hilfsgeldern, zusätzlichen Handelshemmnissen. Und wenn das nicht reicht, auch mit Krieg. Für diese kriminellen Machenschaften gibt es einen Begriff: Imperialismus. Der durchzieht auch die Verhandlungen in Kopenhagen.

Kein Wunder also, dass am Montag die Delegierten der »dritten Welt« die Verhandlungen kurze Zeit verlassen haben.

Kanzlerin Merkel hat sich dabei besonders unbeliebt gemacht. Sie hatte die »raffinierte« Idee, Gelder für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel einfach mit der Entwicklungshilfe zu verrechnen.

Auch der Textentwurf eines Abkommens, der auf dem UN-Klimagipfel als »Dänischer Text« kursierte, zeigt, was Regierungen reicher Länder unter »Gerechtigkeit« verstehen. Im dänischen Textentwurf wird das Kyoto-Protokoll aufgegeben und damit der einzige rechtlich bindende Vertrag, den die Welt zum Thema Treibhausgasreduzierungen hat.

Dem Entwurf zufolge sollen sich Entwicklungsländer verpflichten, ihren Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2050 auf 1,44 Tonnen zurückzufahren, während den reichen Ländern 2,67 Tonnen pro Kopf erlaubt wären.

EU kein Vorreiter mehr

Lange galt die EU als Vorreiter beim Klimaschutz. Doch derzeit kann keine Rede sein. Vor allem die reicheren westeuropäischen Staaten haben ihren Ausstoß von Treibhausgasen kaum reduziert.

Dass die Kyoto-Reduktionsziele in Europa wohl eingehalten werden, liegt zu einem wesentlichen Teil am Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks. Staaten wie Japan oder Norwegen haben sich zudem mittlerweile höhere Klimaziele gesteckt.

Deutschland wankt

Auch die Bilanz Deutschlands ist keineswegs so positiv, wie die Kanzlerin behauptet: Umweltschützer kritisieren die großen Stromkonzerne, die für mehr als 40 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich sind. »Auf marginalem Niveau hat ein Umdenken stattgefunden, das reicht aber bei weitem nicht aus, wenn wir die Klimaschutzziele anschauen«, sagte der Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling laut dem Internetportal CO2-Handel.de.

»Neben einem bisher nur geringen Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energiemix der großen Anbieter spielten Wind, Sonne & Co. auch nur eine Nebenrolle bei längerfristigen Investitionsplänen der Branche. Stattdessen seien zahlreiche neue Kohlekraftwerke in Planung, was die deutschen CO2- Reduktionsziele ins Wanken bringe«, berichtete das Internetportal.

Der als enger Vertraute der Kanzlerin geltende Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht darin offenbar kein Problem. Im Deutschlandfunk hat er sich nicht nur für Atomkraft, sondern auch für neue Kohlekraftwerke ausgesprochen. Das ist sehr praktisch für RWE, Eon. Vattenfall und EnBW - die großen Energieversorger, die den deutschen Strommarkt kontrollieren. Denn alle vier betreiben sowohl Atom- als auch Kohlekraftwerke.

»Kreativer« Umgang mit der Wahrheit

Der Wirtschaftslobby reicht das noch nicht. Metro-Chef Eckard Cordes forderte in der Bild-Zeitung: »Klimaschutz darf nicht zum Wettbewerbsnachteil der deutschen Industrie werden.«

Der Energieriese RWE wollte es nicht bei einer Mahnung belassen und gab gleich eine Studie in Auftrag. In dieser wird behauptet, ein Vorpreschen der EU und Deutschlands beim Klimaschutz würde 55.000 Jobs kosten. Das ist - höflich formuliert - ein äußerst »kreativer« Umgang mit der Wahrheit. Denn während in der konventionellen Energiewirtschaft in Deutschland seit 1991 kontinuierlich und massiv Arbeitsplätze abgebaut worden sind, entstehen bei den erneuerbaren Energien neue.

Kein Green peace ohne social peace

Wirksamer Klimaschutz ist von den Herrschenden nicht zu erwarten. Dieser würde eine Prioritätensetzung zugunsten von Armen, Lohnabhängigen, Bauern, indigenen Bevölkerungsgruppen und der Umwelt erfordern. Green peace ist ohne social peace nicht zu haben - »Grünen Frieden« gibt es nur mit sozialer Gerechtigkeit. Dem jedoch stehen Profit-Interessen und Konkurrenzkampf von Unternehmen bzw. Staaten entgegen. Eine Erfolg versprechende Agenda für Umweltschutz muss deshalb antikapitalistisch sein.

Zum Text:
Diesen Artikel hat Pickelhering verfasst für marx21.de

Mehr (auch von Pickelhering) auf marx21.de:
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Montag, 14. Dezember 2009

Klima-SuperheldInnen gegen den bösen Dr. Ego



Kurzfilmreihe: Seit 150 Jahren arbeitet der böse Dr. Ego an seinem Masterplan, dem globalen Klima den tödlichen Schlag zu versetzen. Nun ist es soweit. Er sendet seine mit zerstörerischen Kräften ausgestatteten Helfer aus: Coal Man, Gazolina, Mr. Voltage und Con$uma Exce$$. Wird Dr. Ego gewinnen? Nicht, wenn es nach vier jungen SuperheldInnen geht: Windy, Gaia, Solarboy und H2Otto. Links zu allen Videos im Beitrag:
Fünf herrliche Episoden im B-Movie-Stil, produziert für das alternative Klimaforum09 in Kopenhagen von Spacesheep:

Episode 1: The Supreme Worldwide Coal Ignition Device

Episode 2: The Super Extreme Overconsumption Shopping Enhancer

Episode 3: The Ultimate Electricity Absorbing Apparatus

Episode 4: The Incomparable Fossil Fuel Combustion Vehicle

Episode 5: The Paramount Public Opinion Distortion and Confusion Data Processor

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Sonntag, 13. Dezember 2009

Stör-Fall-Mob in Berlin



Pickelhering hat Fotos vom 3. Anti-Atom-Flashmob in Berlin gemacht. Insgesamt fanden gestern in 50 Städten "Stör-Fall-Mobs"statt.
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Etwa 20 Flashmobber nahmen gestern in Berlin am dritten "Die-in" gegen AKWs teil. Die Aktion fand im Einkaufszentrum Alexa, Nähe Berliner Alexanderplatz, statt. "Team Green" und Sicherheitsdienst warteten bereits vor Ort - haben sich aber nicht eingemischt und die Aktivisten auch unbehelligt gehen lassen.

Video vom gestrigen Stör-Fall-Mob in Berlin: Viele Passanten haben fotografiert - und anschließend gab es sogar Applaus:


Die nächsten Stör-Fall-Mobs finden am nächsten Samstag, 19. Dezember statt. Mehr Infos...

Ein Flash-Mob fand gestern sogar am Klimaaktionstag in Kopenhagen statt - wo zahlreiche Anti-Atom-Aktive an der Massendemonstration beim UN-Gipfel teilnahmen.

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Dienstag, 8. Dezember 2009

Die Macht der Klimaschutz-Blockierer brechen

DIE LINKE und der Aufbau der Umweltbewegung: Thesen anlässlich des UN-Gipfel in Kopenhagen. Von Frank Eßers
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1) Viele, die im Jahr 2005 das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls gefeiert haben, sind enttäuscht. Die erbärmliche Performance der Herrschenden beim Klimaschutz, vor allem in den Monaten kurz vor dem Gipfel in Kopenhagen, erzeugt Wut. In der Klimaschutzbewegung hat sie darüber hinaus zu einer Öffnung für antikapitalistische Ideen bei einem Teil der Aktiven geführt. Daraus entsteht eine Verantwortung für Sozialisten – und damit auch für DIE LINKE.

2) Nicht nur die USA blockieren wirksamen Klimaschutz. Die EU, Australien, Japan und Polen rudern in Sachen Kyoto-Prozess zurück, Kanada wird sein Kyoto-Ziel verfehlen. Oft dient die Wirtschaftskrise als Ausrede gegen Klimaschutz. Hier zeigt sich auch eine Schwäche der Umweltbewegung. Diese diskutieren Umweltschutz vorwiegend als technisches Problem, welches nur genug "politischen Willen" zu seiner Lösung benötigt. Die Debatten verlieren sich zudem oft in Details. Doch die Herrschenden wissen: Konsequenter Umwelt- bzw. Klimaschutz würde nicht nur Profite von Konzernen gefährden, sondern den fossilen Kapitalismus, also die gesamte bisherige Wirtschaftsweise in Frage stellen.

3) Was wird beim Klimagipfel in Kopenhagen herauskommen? Höchst wahrscheinlich kein Abkommen mit verbindlichen Zielen. Die Herrschenden haben den Prozess für ein internationales Klimaschutzabkommen an den Rand des Scheiterns gebracht. Sollten sich die beteiligten Regierungen im nächsten Jahr doch noch auf ein Klima-Abkommen einigen, dann wird es wahrscheinlich stark verwässert und kein Beitrag zum Klimaschutz sein.

4) Die Internationale Klimadiplomatie ist ein Papiertiger. Durch sie wird das Weltklima nicht gerettet. Merkel und die anderen Regierungschefs verstecken ihre Untätigkeit hinter der internationalen Klimadiplomatie. Während sich die Kanzlerin auf der globalen Bühne als Vorreiterin beim Klimaschutz präsentiert, hat sie es begrüßt, dass in Deutschland neue Kohlekraftwerke gebaut werden sollen.

5) Wichtiger noch als verbindliche Ziele (die erst einmal nichts weiter sind als Ankündigungen) auf internationaler Ebene sind konkrete Maßnahmen, die auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland wurde mehr für den Klimaschutz erreicht als durch das Kyoto-Abkommen. Für solche konkreten Maßnahmen gilt es vor allem zu kämpfen.

6) Klimaschutz – und Anti-Atom-Bewegung arbeiten eher nebeneinander als miteinander. Dabei haben sie denselben Gegner: die Energiekonzerne. Eine stärkere und stetig vorangetriebene lokale und bundesweite Vernetzung von Klimaschützern und Anti-Atom-Aktiven würde die Effektivität erhöhen und wäre ein Gewinn für den Umweltschutz. Dabei kann DIE LINKE helfen.

7) Eine Umweltbewegung wird letztlich nur erfolgreich sein, wenn sie antikapitalistisch ist -wenn der Slogan "Mensch und Umwelt statt vor Profite - die Konzerne sollen für Umweltschutz zahlen" im Mittelpunkt steht. Die Umweltbewegung muss wieder grundsätzlicher diskutieren - über Alternativen zum Kapitalismus. Dazu kann DIE LINKE eine Menge beitragen - und dieser Beitrag wäre wichtig.

8) Konkret hieße das für DIE LINKE: a) die Anti-Atom-Bewegung im nächsten Jahr in ihrem Kampf gegen längere Laufzeiten zu unterstützen, denn diese ist derzeit die mobilisierungsstärkste Umweltbewegung in Deutschland. Unterstützen heißt: vor Ort aufbauen. Das setzt voraus, dass Mitglieder der LINKEN in und mit der Anti-Atombewegung regelmäßig aktiv sind und in Debatten stehen. b) Gleichzeitig gilt es, inhaltlich und praktisch zu arbeiten für eine Vernetzung der Anti-AKW-Bewegung mit der (schwächeren) Klimabewegung. b) Grundsätzliche Kritik am Kapitalismus und Debatten über Alternativen in der Umweltbewegung zu verankern.

Zum Autor:
Frank Eßers ist Online-Redakteur bei marx21.de mit dem Schwerpunkt Umwelt. Er ist aktiv in der LINKEN.Berlin-Neukölln und bei "Anti Atom Berlin".

Zum Text:
Die Thesen sind gedacht als Anregung für Diskussionen. Kritik, Änderungs- und Ergänzungsvorschläge sind dem Autor sehr willkommen. Bitte maile sie an: f.essers [ät] gmx.de
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Dienstag, 1. Dezember 2009

Hagen Rether über Islamfeindlichkeit


Nach dem Minarett-Votum in der Schweiz hält Pickelhering es für geboten, an den hervorragenden Auftritt des Kabarettisten Hagen Rether in der "Scheibenwischer Gala 2007" zu erinnern...
Damals nahm Rether islamfeindliche Scharfmacher in Deutschland aufs Korn.

Wenn der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt meint, die Situation in der Schweiz wäre eine andere als in der Bundesrepublik, dann ist er offenbar blind. Vielleicht liegt es ja daran, dass dem katholischen Abgeordneten in seinem Wahlkreis Weilheim diverse Kirchtürme den offenen Blick auf die Welt versperren.
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"Nicht Minarett-Bau, sondern Islamfeindlichkeit ist das Problem"

Zum Referendum über das Minarett-Verbot in der Schweiz dokumentiert Pickelhering eine Erklärung von Christine Buchholz, Mitglied im geschäftsführenden Parteivorstand DIE LINKE:
Das Abstimmungsergebnis in der Schweiz ist eine Warnung. Nicht die Muslime gefährden unser Zusammenleben und die Demokratie, sondern Rechtspopulisten und Naziparteien. Auch in Deutschland sind Musliminnen und Muslime steigendem Rassismus und körperlichen Angriffen ausgesetzt. Der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in Dresden sowie die Schändung der Moschee in Aschaffenburg belegen dies. Die Äußerung von CSU-Generalsekretär Dobrindt, die Abstimmung sei nicht über zu bewerten und die Situation auf Deutschland nicht übertragbar, ist deshalb gefährlich.

In Europa ist die Zahl von Diskriminierungen und Gewalttaten gegen Muslime in den letzten Jahren gestiegen. Muslime werden seit dem 11. September 2001 von einigen Politikern und Medien als Bedrohung dargestellt, um den sogenannten Krieg gegen den Terror zu rechtfertigen. Auf diesem »Feindbild Islam« bauen Nazis auf - wie zum Beispiel die NPD.

Es gilt dem Feindbild Islam und dem Märchen von der Islamisierung Europas entschieden entgegenzutreten und nicht wie CDU-Vize Bosbach Verständnis, für die »Sorge vor Islamisierung« zu äußern. Musliminnen und Muslime brauchen als religiöse Minderheit den aktiven Schutz gegen Diskriminierung von Seiten aller demokratischen Parteien. Dies muss die Lehre aus der deutschen Geschichte sein.

(Quelle: christinebuchholz.de )

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Sonntag, 15. November 2009

Tarantinos "Schundliteratur" 2.0

Pulp Fiction goes Web 2.0:



Der Clip "Pulp Wave Fiction" soll demonstrieren, was man mit dem neuen internetbasierten Echtzeit-Kommunikationsdienst Google Wave anstellen kann. Bin gespannt, wann sich jemand damit an Goethes Faust II wagt.
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Donnerstag, 12. November 2009

Besser als die Hölle

Jonathan Neale: »Der Afghanistankrieg. Eine Kritik der Besatzung und Perspektiven für den Frieden«, Edition Aurora, Frankfurt/M. 2008
Lesetipp: Bevor es besser werden kann, muss es erst einmal schlimmer werden. Nach diesem grausamen Motto handeln derzeit die NATO-Kräfte in Afghanistan. Mit militärischen Offensiven sollen die Taliban geschlagen werden. Das hoffen zumindest die Besatzer. Auch die neue Bundesregierung sieht dazu keine Alternative. Dennoch ist es Irrsinn, der einer Menge Afghanen das Leben kosten wird.

Eine Eskalation des Krieges zu verhindern und Frieden, Wohlstand und Freiheit für alle Afghanen zu erreichen, ist nicht leicht. Dennoch ist es möglich. Das meint der in London lebende Sozialist und Friedensaktivist Jonathan Neale. In seiner Broschüre »Der Afghanistankrieg« liefert er die Argumente.
Die Broschüre: Jonathan Neale: »Der Afghanistankrieg. Eine Kritik der Besatzung und Perspektiven für den Frieden«, Edition Aurora, Frankfurt/M. 2008, 40 Seiten, 3,- Euro. Bestellen bei: edition.aurora [ ät ] yahoo.de

Neale hat zwischen 1971 und 1973 als Anthropologe in Afghanistan gelebt und geforscht. Sein Blick auf das Land am Hindukusch ist geprägt von der Begegnung mit den einfachen Bauern, die er kennengelernt hat. Deren Leben ist in den letzten 30 Jahren vor allem von verschiedenen Kriegen bestimmt worden, die die ohnehin bittere Armut noch verschärft haben. Es »gibt kaum jemanden, der nicht einen nahen Verwandten oder Freund verloren hat«, so der Autor.

Neale spannt einen weiten Bogen von den Anfängen des »dreißigjährigen Krieges« bis zur aktuellen Besatzung, beschreibt die treibenden gesellschaftlichen und politischen Kräfte und deren Motive. Daraus entwickelt er ein Bild der Sackgasse, in der die Besatzer derzeit stecken. Doch warum profitieren gerade die Taliban vom Hass auf die ausländischen Truppen? Neales Antwort: Sie sind die einzige organisierte Kraft, die die Besatzung von Anfang an abgelehnt haben – im Gegensatz zur Mehrzahl der Linken und liberalen Kräfte im Land. Dies habe eine unselige Tradition.

Vor dem sowjetischen Einmarsch 1979 hatten Linke bereits das Vertrauen durch ihr diktatorisch-gewalttätiges Vorgehen vor allem gegen die Landbevölkerung gründlich verspielt, nachdem sich die Kommunisten 1978 an die Macht putschten. Nach dem Einmarsch stellten sie sich auf die Seite der Besatzer. Neales Fazit: »Afghanistan ist einer der wenigen Orte der Welt, in dem sich Progressive und die Linke durchweg auf die Seite des brutalen imperialistischen Massenmords geschlagen haben. Das ist der Grund für die Stärke der Rechten in Afghanistan.«

Neales kenntnisreiche Schilderung der Lage in Afghanistan ist die große Stärke seiner Broschüre. Zu knapp fällt jedoch der letzte Teil aus, in dem es um »Perspektiven für den Frieden« geht – wie der deutsche Untertitel des Textes verspricht. Das ist allerdings den Übersetzern anzulasten, denn im englischen Originalaufsatz existiert dieser Untertitel nicht. Neale hatte hier wohl eher einen allgemeinen Ausblick im Sinn. Er schreibt, dass sich den Afghanen »kein einfacher Ausweg« anbiete. Der beste sei allerdings »ein Sieg des Widerstandes« – das heißt: ein vollständiger Abzug der Besatzungstruppen. »Eine Koalitionsregierung (der in Afghanistan vertretenen politischen Kräfte, Anmerkung von Pickelhering) wäre keine gute Lösung«, so Neale, da alle an einer solchen Regierung beteiligten Kräfte rechts wären. »Es wäre aber immer noch eine bessere Lösung als die Hölle, die Afghanistan erwartet«, falls die Besatzer im Land bleiben.

Um einen »Ausweg aus diesem Teufelskreis« von Krieg und Unterdrückung zu finden, müsse man nach Pakistan schauen. Dort hat der Widerstand ein riesiges Rückzugsgebiet, was die USA dazu treibt, den Krieg auf Pakistan auszudehnen. Dagegen gibt es massenhaften Unmut, von dem Neale erwartet, dass er in einen Aufstand umschlagen wird. »Wenn es so weit ist und die Linke stark, leidenschaftlich und wütend auf die Straße geht, könnte das auch die politische Landschaft in Afghanistan verändern«.

Als weiteren Punkt nennt Neale eine Friedensbewegung im Westen, »die für Frieden, nicht für eine abgewandelte Besatzung eintritt.« Um eine solche aufzubauen und stark zu machen, sind Argumente nötig. Neale liefert wichtige in leicht lesbarer Form. Trotz des schwächeren letzten Teils also: Daumen hoch.

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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Friedensbewegung verstärkt Proteste gegen Besatzung in Afghanistan



Tausende sind am Wochenende in London auf die Straße gegangen. Sie verlangten ein Ende des Afghanistankrieges und den Abzug der britischen Truppen. Auch in Deutschland steht die Friedensbewegung in den Startlöchern: Proteste gegen den Bundeswehreinsatz sind für November geplant. Pickelhering über die internationale Vernetzung der Aktivisten
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An der Spitze der Großdemonstration in London, an der nach Angaben der Veranstalter 10.000 teilnahmen, marschierte der aktive Soldat Joe Glenton. Ihm droht ein Prozess vor einem Militärgericht, weil er sich weigert, weiter in Afghanistan zu kämpfen. »Es ist nicht leicht, Befehle zu verweigern. Aber wenn Großbritannien den USA darin folgt, weiterhin Krieg gegen eines der ärmsten Länder der Welt zu führen, dann habe ich keinen andere Wahl«, sagte er in einer Rede.

Soldatenfamilien gegen den Krieg

Neben Joe Glenton wurde der Protestmarsch von Ex-Soldaten und Angehörigen von Soldaten angeführt. Darunter Peter Brierley, dessen Sohn im Irak getötet worden ist. Brierley ist bekannt geworden, weil er sich weigerte, dem britischen Ex-Regierungschef Tony Blair auf einer Gedenkveranstaltung zu Ehren im Irak »gefallener« Soldaten die Hand zu schütteln. An Blairs Händen klebe Blut und dieser sei ein Kriegsverbrecher, begründete Brierley seine Weigerung.

Der Labour-Abgeordnete Jeremy Corbyn erklärte auf der Demonstration: »Die NATO ist nun seit acht Jahren in Afghanistan und die Ergebnisse dieser Anwesenheit sind eine gestiegene Drogenproduktion, hohe Korruption und viele Tote auf allen Seiten.« Es sei Zeit, so Corbyn, die Truppen abzuziehen, um eine weitere Vietnamisierung der Verhältnisse in Afghanistan zu verhindern.

Nach einer am Tag der Demonstration veröffentlichten Umfrage meinen 48 Prozent der Briten, dass der Kampf gegen die Taliban nicht zu gewinnen ist. 62 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die britischen Truppen innerhalb eines Jahres abzuziehen.

Aufstockung der Besatzungstruppen

Trotz des wachsenden Widerstandes in der britischen Bevölkerung erklärte Mitte des Monats Premierminister Gordon Brown, dass bis zu 500 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan entsenden. werden. Bedingung sei, dass auch die Alliierten aufstocken.

Auch in Warschau protestierten am Samstag mehrere hundert Menschen für einen Truppenabzug. Am Wochenende hatte der der neue US-Botschafter polnischen Regierungsvertretern dafür gedankt, dass sie die Zahl der Soldaten in Afghanistan erhöhen wollen. Im Gegensatz dazu hatte die polnische Regierung am Freitag erklärt, dass es keinen Beschluss für eine Aufstockung der Truppen gebe.

US-Präsident Obama hat bereits eine Erhöhung der Zahl der US-Soldaten autorisiert. Laut »Washington Post« sollen über die im Frühjahr angekündigte Aufstockung um 21.000 Soldaten hinaus weitere 13.000 nach Afghanistan geschickt werden. Darüber habe Obama die Öffentlichkeit allerdings nicht informiert, so die Zeitung.

Obama weitet Blutvergießen nach Pakistan aus

Auf Druck der US-Regierung führt seit dem 17. Oktober das pakistanische Militär eine Großoffensive in der Süd-Waziristan durch. In der Vergangenheit haben die mit Militäroffensiven in der pakistanisch-afghanischen Grenzregion verbundenen Bombardierungen und Zerstörungen nur weiteren Hass geschürt. Dieser hat den gegen die Besatzung kämpfenden Milizen die Rekrutierung weiterer Kämpfer ermöglicht. Bisher haben solche blutigen Offensiven stets in einer Stärkung des Widerstandes geendet, der zudem die von ihm kontrollierten Gebiete ausweiten konnte.

Für das weitere Vorgehen in Afghanistan hat das Pentagon zwei »Szenarien« getestet, berichtete die »Washington Post« am Montag. Beide sehen eine Ausweitung der Kämpfe vor. Mehr Blutvergießen wird allerdings die Lage der Afghanen weiter verschlechtern und den Hass auf die Besatzer und ihre korrupte Marionettenregierung verstärken.

Es ist bereits abzusehen, dass auch die Stichwahl zwischen dem amtierenden afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und seinem Herausforderer Abdullah Abdullah mit Betrug und Fälschungen ablaufen wird.

Abdullah hat zudem keinerlei Alternative anzubieten. Kürzlich forderte er, mehr Besatzungstruppen zu stationieren. Er war zwischen 2001 und 2006 Außenminister unter
Karsai und gehört zur Führung des tadschikischen Teil der ehemaligen Nordallianz, die den Taliban an Brutalität ebenbürtig sind. Die Mitstreiter, mit denen er sich umgibt, sind ebenso korrupt wie Karsais Gefolgsleute.

Internationales Treffen von Friedensaktivisten

Joseph Gerson

In Berlin trafen sich bereits am 17. und 18. Oktober Vertreterinnen und Vertreter von Friedensinitiativen aus mehr als einem Dutzend Ländern, um auf der Aktionskonferenz »Nein zur NATO - Nein zum Krieg« auch über gemeinsame Aktivitäten gegen die Besatzung Afghanistans zu sprechen.

Auf einer öffentlichen Veranstaltung einen Tag vor der Konferenz berichteten eine Vertreterin aus Frankreich und je ein Vertreter aus den USA und aus Großbritannien über die Anti-Kriegsbewegung in ihren Ländern.

Joseph Gerson, Friedensaktivist aus den USA, kritisierte die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Obama. Er wies mit einer spitzen Bemerkung darauf hin, dass auch »Henry Kissinger diesen Preis erhalten hat.« Kissinger war von 1969 bis 1973 Nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten und von 1973 bis 1977 US-Außenminister. Er ist damit mitverantwortlich für den US-Krieg in Vietnam. Die damalige Ausweitung des Krieges auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha hat er initiiert. Gerson warf Obama vor, eine Ausweitung des Afghanistan-Krieges auf Pakistan zu betreiben.

Noch vor eineinhalb Jahren sei in der US-amerikanischen Öffentlichkeit kaum über den Afghanistan-Einsatz diskutiert worden, sagte Gerson. Das habe sich geändert. Derzeit
organisiere die US-Friedensbewegung Aktionen und Kampagnen gegen die Besatzung. Als Unterstützung für die Proteste in den USA sei die Opposition in Europa gegen den Krieg wichtig, betonte er.

Macht und Kontrolle von Ressourcen

Gerson wies darauf hin, dass die US-Armee nicht wegen Demokratie oder Frauenrechten in Afghanistan sei. Der Bush-Administration sei es darum gegangen, durch den Angriff auf das Land am Hindukusch zu zeigen, dass die Vereinigten Staaten weiterhin in jeder Hinsicht die Weltmacht Nr.1 seien.

Außerdem sollte auch aus dem Niedergang der UdSSR nach 1989 Vorteil gezogen werden. Dabei ging es um eine US-Präsenz in der ressourcenreichen Region Zentralasien. Der Krieg gegen Afghanistan habe die Möglichkeit geboten, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

»NATO eskaliert«

John Rees aus Großbritannien gratulierte als Erstes der Partei DIE LINKE zu ihrem Wahlerfolg: »Es macht einen großen Unterschied, ob man in ein Land kommt, in dem überall Plakate gegen den Krieg hingen«, sagte er. Gemeint waren Wahlplakate mit der Aufschrift »Raus aus Afghanistan«, mit denen DIE LINKE ihre Forderung nach einem sofortigen Abzug der Bundeswehr unterstrichen hat.

Rees argumentierte, dass sich die NATO eine Niederlage in Afghanistan nicht leisten könne und deshalb an der Besatzung festhalten werde. Das führe zu »mehr Blutvergießen und mehr Mord«. Deswegen müssen »wir den Krieg auf unsere Weise beenden, um zu verhindern, dass er von den Besatzern auf ihre blutige Weise eskaliert wird«, sagte er.

Wer nach einem Abzug der Besatzungstruppen eine Talibanherrschaft befürchte, dem entgegnete der britische Friedensaktivist: »Die einzigen, die mit den Taliban fertig werden können, sind die Afghanen selbst«. Die Taliban würden mit jedem Tag, den die Besatzung andauere, mehr Zulauf erhalten.

Gute Chancen für die Friedensbewegung

Arielle Denis aus Frankreich machte ebenfalls darauf aufmerksam, dass sich die Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes in ihrem Land vergrößere. Doch der Protest müsse sichtbarer werden. Aufgabe der Friedensbewegungen sei es, einerseits noch mehr aufzuklären, dass in Afghanistan ein blutiger Krieg geführt werde.

Andererseits wären noch mehr Anstrengungen nötig, damit der Protest auf die Straße getragen werde. Genau darüber zu diskutieren und Ideen auszutauschen sei ein wichtiges Anliegen der Internationalen Aktionskonferenz. Die Chancen für die Friedensbewegung stünden sehr gut, sagte Denis.

Kommende Proteste in Deutschland

In Deutschland hat sich die Friedensbewegung darauf verständigt, vom 20. bis 27. November eine Aktionswoche gegen eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan durchzuführen. Über eine Verlängerung stimmt der Bundestag vermutlich Mitte Dezember ab. Die Friedensbewegung befürchtet, dass auch eine Aufstockung der deutschen Truppen anstehen könnte. Derzeit sind knapp 4000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

Kern der bundesweiten Aktionswoche gegen den Krieg sollen möglichst viele Informationsstände sein, an denen die Bevölkerung über den Bundeswehreinsatz an »Wahlurnen« abstimmen kann. Das Ergebnis soll am Vorabend der Bundestagsabstimmung bekannt gegeben werden.

(Quelle: Den Artikel hat Pickelhering für das Online-Magazin marx21.de verfasst)
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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Sarrazins Sündenbockpolitik



Thilo Sarrazins gegen Migranten gerichtete Äußerungen sind auch Ausdruck einer Politik, die sozialen Widerstand spalten soll. Davon profitieren Konzerne, Reiche und Rechtsextremisten. Proteste sind deshalb berechtigt und nötig, meint Pickelhering.
Gegen die diskriminierenden Behauptungen des Vorstandmitgliedes der Deutschen Bundesbank Sarrazin (SPD) protestierten am Montag rund 100 Teilnehmer vor der SPD-Zentrale in Berlin. Anlass war ein Interview in der Zeitschrift »lettre international«, in dem der ehemalige Finanzsenator von Berlin rassistische Vorurteile gegen Migranten verbreitete.

Sarrazin sagte unter anderem, dass Türken und Araber außer Obst- und Gemüsehandel keine produktive Bedeutung hätten, Deutschland mit einer hohen Geburtenrate erobern würden, Bildung keinerlei Bedeutung zumessen würden und integrationsunfähig seien. Der innenpolitische Sprecher der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag schlug daraufhin vor, "Thilo Sarrazin trotz seines SPD-Parteibuches zum Ausländerbeauftragten" zu machen.

Organisiert hat den Protest der Verein Allmende, ein Zusammenschluss von Migranten und Flüchtlingen. Allmende kritisiert, dass Sarrazin noch immer Vorstandmitglied der Bundesbank ist und ein SPD-Parteibuch besitzt. "Institutionen, die sich als demokratisch und antifaschistisch bezeichnen, müssen rassistisch denkende Menschen ausschließen", fordert der Verein.

Die Kritik ist berechtigt. Dabei geht es nicht nur um die verbalen Attacken eines Einzelnen. Sarrazin steht für eine Politik, die sich gegen die ärmsten Teile der Bevölkerung richtet. Durchgesetzt wurde sie von Rot-Grün und Schwarz-Rot. Die jetzige Regierung aus Union und FDP will sie fortsetzen.

Zynische »Tipps« für Arbeitslose

Sarrazins Kommentar ist keine einmalige Entgleisung. In der Vergangenheit hat der SPD-Politiker wiederholt durch diskriminierende Bemerkungen Schlagzeilen gemacht, zum Beispiel über Arbeitslose. Ihnen warf er wiederholt vor, verschwenderisch mit Geld umzugehen.

Im vergangenen Jahr behauptete er zum Beispiel, dass sich Erwerbslose schon für 3,76 Euro pro Tag "völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren" könnten. Er hatte einen Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger erstellen lassen, mit dem er seine Behauptung untermauern wollte. Dieser wurde von der "Berliner Morgenpost" getestet und als ungesund und einseitig verworfen.

Armen Menschen gab er einen ähnlich zynischen Tipp, um Heizkosten zu sparen: "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können", sagte er.

Guter Polizist, böser Polizist

Dabei zielt Sarrazin stets darauf ab, die Verantwortung der Politik für Armut und andere Probleme auf betroffene Gruppen in der Bevölkerung abzuwälzen.

Als Finanzsenator von Berlin setzte er die Linie des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) um, dass gespart werden müsse, "bis es quietscht". Das damalige Wechselspiel zwischen den beiden erinnert an die Verhörmethode "Guter Polizist, böser Polizist". Sarrazin gab den »Bösen« und forderte, bewusst provokant, harte Kürzungen im sozialen Bereich. Das ermöglichte es Wowereit, in die Rolle des »Guten« zu schlüpfen, der den Finanzsenator bremst und "weniger harte" Einschnitte vornimmt.

Ziel einer solchen Politik ist allerdings nicht nur das Ablenken von der Verantwortung der Politik durch das Präsentieren von Sündenböcken. Auch der Widerstand gegen Sozialabbau und Rassismus soll auf diese Weise nach dem Motto »Teile und herrsche« gespalten werden.

Profiteure solcher Diskriminierung sind Konzerne, Reiche und Rechtsextremisten. Letztere können Sarrazins Ausfälle nutzen, um ihren Rassismus zu rechtfertigen.

Statt Armut werden Arme bekämpft

Dass die SPD Sarrazin bisher nicht vor die Tür gesetzt hat, sagt etwas aus über den Zustand der Partei und die Denkweise ihres führenden Personals. Statt Armut werden Arme bekämpft. Auch nach der Bundestagswahl ist die Führung der SPD nicht bereit, sich von dieser Politik zu verabschieden. Das sollte der zentrale Punkt sein, wenn über rot-rote Koalitionen geredet wird.
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