Mittwoch, 28. Oktober 2009

Friedensbewegung verstärkt Proteste gegen Besatzung in Afghanistan



Tausende sind am Wochenende in London auf die Straße gegangen. Sie verlangten ein Ende des Afghanistankrieges und den Abzug der britischen Truppen. Auch in Deutschland steht die Friedensbewegung in den Startlöchern: Proteste gegen den Bundeswehreinsatz sind für November geplant. Pickelhering über die internationale Vernetzung der Aktivisten
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An der Spitze der Großdemonstration in London, an der nach Angaben der Veranstalter 10.000 teilnahmen, marschierte der aktive Soldat Joe Glenton. Ihm droht ein Prozess vor einem Militärgericht, weil er sich weigert, weiter in Afghanistan zu kämpfen. »Es ist nicht leicht, Befehle zu verweigern. Aber wenn Großbritannien den USA darin folgt, weiterhin Krieg gegen eines der ärmsten Länder der Welt zu führen, dann habe ich keinen andere Wahl«, sagte er in einer Rede.

Soldatenfamilien gegen den Krieg

Neben Joe Glenton wurde der Protestmarsch von Ex-Soldaten und Angehörigen von Soldaten angeführt. Darunter Peter Brierley, dessen Sohn im Irak getötet worden ist. Brierley ist bekannt geworden, weil er sich weigerte, dem britischen Ex-Regierungschef Tony Blair auf einer Gedenkveranstaltung zu Ehren im Irak »gefallener« Soldaten die Hand zu schütteln. An Blairs Händen klebe Blut und dieser sei ein Kriegsverbrecher, begründete Brierley seine Weigerung.

Der Labour-Abgeordnete Jeremy Corbyn erklärte auf der Demonstration: »Die NATO ist nun seit acht Jahren in Afghanistan und die Ergebnisse dieser Anwesenheit sind eine gestiegene Drogenproduktion, hohe Korruption und viele Tote auf allen Seiten.« Es sei Zeit, so Corbyn, die Truppen abzuziehen, um eine weitere Vietnamisierung der Verhältnisse in Afghanistan zu verhindern.

Nach einer am Tag der Demonstration veröffentlichten Umfrage meinen 48 Prozent der Briten, dass der Kampf gegen die Taliban nicht zu gewinnen ist. 62 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die britischen Truppen innerhalb eines Jahres abzuziehen.

Aufstockung der Besatzungstruppen

Trotz des wachsenden Widerstandes in der britischen Bevölkerung erklärte Mitte des Monats Premierminister Gordon Brown, dass bis zu 500 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan entsenden. werden. Bedingung sei, dass auch die Alliierten aufstocken.

Auch in Warschau protestierten am Samstag mehrere hundert Menschen für einen Truppenabzug. Am Wochenende hatte der der neue US-Botschafter polnischen Regierungsvertretern dafür gedankt, dass sie die Zahl der Soldaten in Afghanistan erhöhen wollen. Im Gegensatz dazu hatte die polnische Regierung am Freitag erklärt, dass es keinen Beschluss für eine Aufstockung der Truppen gebe.

US-Präsident Obama hat bereits eine Erhöhung der Zahl der US-Soldaten autorisiert. Laut »Washington Post« sollen über die im Frühjahr angekündigte Aufstockung um 21.000 Soldaten hinaus weitere 13.000 nach Afghanistan geschickt werden. Darüber habe Obama die Öffentlichkeit allerdings nicht informiert, so die Zeitung.

Obama weitet Blutvergießen nach Pakistan aus

Auf Druck der US-Regierung führt seit dem 17. Oktober das pakistanische Militär eine Großoffensive in der Süd-Waziristan durch. In der Vergangenheit haben die mit Militäroffensiven in der pakistanisch-afghanischen Grenzregion verbundenen Bombardierungen und Zerstörungen nur weiteren Hass geschürt. Dieser hat den gegen die Besatzung kämpfenden Milizen die Rekrutierung weiterer Kämpfer ermöglicht. Bisher haben solche blutigen Offensiven stets in einer Stärkung des Widerstandes geendet, der zudem die von ihm kontrollierten Gebiete ausweiten konnte.

Für das weitere Vorgehen in Afghanistan hat das Pentagon zwei »Szenarien« getestet, berichtete die »Washington Post« am Montag. Beide sehen eine Ausweitung der Kämpfe vor. Mehr Blutvergießen wird allerdings die Lage der Afghanen weiter verschlechtern und den Hass auf die Besatzer und ihre korrupte Marionettenregierung verstärken.

Es ist bereits abzusehen, dass auch die Stichwahl zwischen dem amtierenden afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und seinem Herausforderer Abdullah Abdullah mit Betrug und Fälschungen ablaufen wird.

Abdullah hat zudem keinerlei Alternative anzubieten. Kürzlich forderte er, mehr Besatzungstruppen zu stationieren. Er war zwischen 2001 und 2006 Außenminister unter
Karsai und gehört zur Führung des tadschikischen Teil der ehemaligen Nordallianz, die den Taliban an Brutalität ebenbürtig sind. Die Mitstreiter, mit denen er sich umgibt, sind ebenso korrupt wie Karsais Gefolgsleute.

Internationales Treffen von Friedensaktivisten

Joseph Gerson

In Berlin trafen sich bereits am 17. und 18. Oktober Vertreterinnen und Vertreter von Friedensinitiativen aus mehr als einem Dutzend Ländern, um auf der Aktionskonferenz »Nein zur NATO - Nein zum Krieg« auch über gemeinsame Aktivitäten gegen die Besatzung Afghanistans zu sprechen.

Auf einer öffentlichen Veranstaltung einen Tag vor der Konferenz berichteten eine Vertreterin aus Frankreich und je ein Vertreter aus den USA und aus Großbritannien über die Anti-Kriegsbewegung in ihren Ländern.

Joseph Gerson, Friedensaktivist aus den USA, kritisierte die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Obama. Er wies mit einer spitzen Bemerkung darauf hin, dass auch »Henry Kissinger diesen Preis erhalten hat.« Kissinger war von 1969 bis 1973 Nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten und von 1973 bis 1977 US-Außenminister. Er ist damit mitverantwortlich für den US-Krieg in Vietnam. Die damalige Ausweitung des Krieges auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha hat er initiiert. Gerson warf Obama vor, eine Ausweitung des Afghanistan-Krieges auf Pakistan zu betreiben.

Noch vor eineinhalb Jahren sei in der US-amerikanischen Öffentlichkeit kaum über den Afghanistan-Einsatz diskutiert worden, sagte Gerson. Das habe sich geändert. Derzeit
organisiere die US-Friedensbewegung Aktionen und Kampagnen gegen die Besatzung. Als Unterstützung für die Proteste in den USA sei die Opposition in Europa gegen den Krieg wichtig, betonte er.

Macht und Kontrolle von Ressourcen

Gerson wies darauf hin, dass die US-Armee nicht wegen Demokratie oder Frauenrechten in Afghanistan sei. Der Bush-Administration sei es darum gegangen, durch den Angriff auf das Land am Hindukusch zu zeigen, dass die Vereinigten Staaten weiterhin in jeder Hinsicht die Weltmacht Nr.1 seien.

Außerdem sollte auch aus dem Niedergang der UdSSR nach 1989 Vorteil gezogen werden. Dabei ging es um eine US-Präsenz in der ressourcenreichen Region Zentralasien. Der Krieg gegen Afghanistan habe die Möglichkeit geboten, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

»NATO eskaliert«

John Rees aus Großbritannien gratulierte als Erstes der Partei DIE LINKE zu ihrem Wahlerfolg: »Es macht einen großen Unterschied, ob man in ein Land kommt, in dem überall Plakate gegen den Krieg hingen«, sagte er. Gemeint waren Wahlplakate mit der Aufschrift »Raus aus Afghanistan«, mit denen DIE LINKE ihre Forderung nach einem sofortigen Abzug der Bundeswehr unterstrichen hat.

Rees argumentierte, dass sich die NATO eine Niederlage in Afghanistan nicht leisten könne und deshalb an der Besatzung festhalten werde. Das führe zu »mehr Blutvergießen und mehr Mord«. Deswegen müssen »wir den Krieg auf unsere Weise beenden, um zu verhindern, dass er von den Besatzern auf ihre blutige Weise eskaliert wird«, sagte er.

Wer nach einem Abzug der Besatzungstruppen eine Talibanherrschaft befürchte, dem entgegnete der britische Friedensaktivist: »Die einzigen, die mit den Taliban fertig werden können, sind die Afghanen selbst«. Die Taliban würden mit jedem Tag, den die Besatzung andauere, mehr Zulauf erhalten.

Gute Chancen für die Friedensbewegung

Arielle Denis aus Frankreich machte ebenfalls darauf aufmerksam, dass sich die Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes in ihrem Land vergrößere. Doch der Protest müsse sichtbarer werden. Aufgabe der Friedensbewegungen sei es, einerseits noch mehr aufzuklären, dass in Afghanistan ein blutiger Krieg geführt werde.

Andererseits wären noch mehr Anstrengungen nötig, damit der Protest auf die Straße getragen werde. Genau darüber zu diskutieren und Ideen auszutauschen sei ein wichtiges Anliegen der Internationalen Aktionskonferenz. Die Chancen für die Friedensbewegung stünden sehr gut, sagte Denis.

Kommende Proteste in Deutschland

In Deutschland hat sich die Friedensbewegung darauf verständigt, vom 20. bis 27. November eine Aktionswoche gegen eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan durchzuführen. Über eine Verlängerung stimmt der Bundestag vermutlich Mitte Dezember ab. Die Friedensbewegung befürchtet, dass auch eine Aufstockung der deutschen Truppen anstehen könnte. Derzeit sind knapp 4000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

Kern der bundesweiten Aktionswoche gegen den Krieg sollen möglichst viele Informationsstände sein, an denen die Bevölkerung über den Bundeswehreinsatz an »Wahlurnen« abstimmen kann. Das Ergebnis soll am Vorabend der Bundestagsabstimmung bekannt gegeben werden.

(Quelle: Den Artikel hat Pickelhering für das Online-Magazin marx21.de verfasst)
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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Sarrazins Sündenbockpolitik



Thilo Sarrazins gegen Migranten gerichtete Äußerungen sind auch Ausdruck einer Politik, die sozialen Widerstand spalten soll. Davon profitieren Konzerne, Reiche und Rechtsextremisten. Proteste sind deshalb berechtigt und nötig, meint Pickelhering.
Gegen die diskriminierenden Behauptungen des Vorstandmitgliedes der Deutschen Bundesbank Sarrazin (SPD) protestierten am Montag rund 100 Teilnehmer vor der SPD-Zentrale in Berlin. Anlass war ein Interview in der Zeitschrift »lettre international«, in dem der ehemalige Finanzsenator von Berlin rassistische Vorurteile gegen Migranten verbreitete.

Sarrazin sagte unter anderem, dass Türken und Araber außer Obst- und Gemüsehandel keine produktive Bedeutung hätten, Deutschland mit einer hohen Geburtenrate erobern würden, Bildung keinerlei Bedeutung zumessen würden und integrationsunfähig seien. Der innenpolitische Sprecher der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag schlug daraufhin vor, "Thilo Sarrazin trotz seines SPD-Parteibuches zum Ausländerbeauftragten" zu machen.

Organisiert hat den Protest der Verein Allmende, ein Zusammenschluss von Migranten und Flüchtlingen. Allmende kritisiert, dass Sarrazin noch immer Vorstandmitglied der Bundesbank ist und ein SPD-Parteibuch besitzt. "Institutionen, die sich als demokratisch und antifaschistisch bezeichnen, müssen rassistisch denkende Menschen ausschließen", fordert der Verein.

Die Kritik ist berechtigt. Dabei geht es nicht nur um die verbalen Attacken eines Einzelnen. Sarrazin steht für eine Politik, die sich gegen die ärmsten Teile der Bevölkerung richtet. Durchgesetzt wurde sie von Rot-Grün und Schwarz-Rot. Die jetzige Regierung aus Union und FDP will sie fortsetzen.

Zynische »Tipps« für Arbeitslose

Sarrazins Kommentar ist keine einmalige Entgleisung. In der Vergangenheit hat der SPD-Politiker wiederholt durch diskriminierende Bemerkungen Schlagzeilen gemacht, zum Beispiel über Arbeitslose. Ihnen warf er wiederholt vor, verschwenderisch mit Geld umzugehen.

Im vergangenen Jahr behauptete er zum Beispiel, dass sich Erwerbslose schon für 3,76 Euro pro Tag "völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren" könnten. Er hatte einen Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger erstellen lassen, mit dem er seine Behauptung untermauern wollte. Dieser wurde von der "Berliner Morgenpost" getestet und als ungesund und einseitig verworfen.

Armen Menschen gab er einen ähnlich zynischen Tipp, um Heizkosten zu sparen: "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können", sagte er.

Guter Polizist, böser Polizist

Dabei zielt Sarrazin stets darauf ab, die Verantwortung der Politik für Armut und andere Probleme auf betroffene Gruppen in der Bevölkerung abzuwälzen.

Als Finanzsenator von Berlin setzte er die Linie des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) um, dass gespart werden müsse, "bis es quietscht". Das damalige Wechselspiel zwischen den beiden erinnert an die Verhörmethode "Guter Polizist, böser Polizist". Sarrazin gab den »Bösen« und forderte, bewusst provokant, harte Kürzungen im sozialen Bereich. Das ermöglichte es Wowereit, in die Rolle des »Guten« zu schlüpfen, der den Finanzsenator bremst und "weniger harte" Einschnitte vornimmt.

Ziel einer solchen Politik ist allerdings nicht nur das Ablenken von der Verantwortung der Politik durch das Präsentieren von Sündenböcken. Auch der Widerstand gegen Sozialabbau und Rassismus soll auf diese Weise nach dem Motto »Teile und herrsche« gespalten werden.

Profiteure solcher Diskriminierung sind Konzerne, Reiche und Rechtsextremisten. Letztere können Sarrazins Ausfälle nutzen, um ihren Rassismus zu rechtfertigen.

Statt Armut werden Arme bekämpft

Dass die SPD Sarrazin bisher nicht vor die Tür gesetzt hat, sagt etwas aus über den Zustand der Partei und die Denkweise ihres führenden Personals. Statt Armut werden Arme bekämpft. Auch nach der Bundestagswahl ist die Führung der SPD nicht bereit, sich von dieser Politik zu verabschieden. Das sollte der zentrale Punkt sein, wenn über rot-rote Koalitionen geredet wird.
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Dienstag, 20. Oktober 2009

Laufe 50 Runden um Facebook

Mit den Anwendungen auf Facebook ist das so eine Sache. Aber seht selbst, wie es mir erging:


Wer hingegen zu den Seligen dieser Welt gehören will, dem empfehle ich die "Glücksnuss"-Anwendung (1.468.006 monatlich aktive Nutzer). Dort kann man quietschvergnügt im flachen Wasser der Einfalt plantschen - die Binsen der Weisheit stets pittoresk im Blick.
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Montag, 19. Oktober 2009

"Ihr seid nur die Clowns der Mächtigen"



Wilfried Schmicklers satirische Philippika auf die Mitglieder der schwarz-gelben Koalition ist ein wahres Gedicht. Eines, das es in sich hat. Es sollte täglich vor gehisster Anti-Atom-Fahne vor Schul-, Uni- und Arbeitsbeginn rezitiert werden, so lange uns diese Regierung mit ihrer Anwesenheit belästigt. Oder besser - Schmicklers Rat ans einfache Volk befolgen: "Geht aufs Ganze, geht auf die Straße!" [via Pantoffelpunk]
Mitternachtsspitzen vom 10.10.09. Text zum Auswendiglernen gibt es hier, die Fahne dort.
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Sonntag, 18. Oktober 2009

Die Ketten der künstlerischen Avantgarde



Empor die Fahne der kreativen Revolution: Lustiger Trailer über das ernste Thema der Konferenz "ÜberLeben in den 'Creative Industries' - Zwischen Lust und Last des Informellen", die am 13. und 14. November in Berlin stattfindet.

Worum es geht: Berlin und andere Metropolen sind nicht zuletzt wegen ihrer "Creative Industries" attraktiv. Damit werben die Städte auch und profitieren wie selbstverständlich vom wirtschaftlichen Nutzen, den die Branche produziert. Für die Stadtoberen ist das ein billiges Vergnügen, denn Kreative fristen oft eine Existenz als Prekariat. Deren Ideenreichtum wird eingezwängt in ein enges Korsett aus Konkurrenzkampf um Aufträge und Anpassungsdruck an Kommerz und Markt.
>> Infos, Anmeldung, Informationen...

PROGRAMM:

Fr., 13. November: (Über)Leben, Arbeiten, Verwerten

15 Uhr: Be creative – das neue Prekariat
Angela McRobbie (Goldsmiths University of London)
Begrüßung und Moderation: Mario Candeias (Rosa Luxemburg Stiftung)

16 Uhr: Creative what...?
  • Jamie Peck (University of British Columbia Vancouver): »Struggling with the Creative Class«
  • Alexandra Manske, (Humboldt Universität Berlin): »Prekäre Freiheiten«
  • Jochen Becker (MetroZones): »SpaceTroubles«
  • Moderation: Anne Steckner (Rosa Luxemburg Stiftung)
18 Uhr: Kaltes Buffet

19 Uhr: Do and Undo
Tanzperformance von Baktruppen (Norwegen)

20:30 bis 22 Uhr: Streit am Abend
Zwischen den digitalen Fronten - mehr Geld, mehr Freiheit oder alles für alle?
Benni Bärmann (Keimform.de), Wolfgang Schimmel (Verdi), Matthias Spielkamp (iRights.info)
Moderation: Sabine Nuss (Rosa Luxemburg Stiftung)

22 bis 24 Uhr: Creative Spaces im Foyer und auf der Bühne
  • Döndü Kilic führt die Filmindustrie vor
  • Captain Nofuture interveniert in den prekären Alltag
  • Lorenzo Tripodi/Ogino:Knauss erkundet die globale Stadt
  • Hito Steyerl spricht Spamsoc
  • Sender Freies Neukölln dreht am Gentrifizierungs-Set durch
Sa., 14. November: Unterwandern, Widerstehen, Organisieren

13 Uhr: Rebellion for profit - wird Abweichung zur Norm?
Silke van Dyk (Friedrich-Schiller-Universität Jena).
Begrüßung und Moderation: Mario Candeias (Rosa Luxemburg Stiftung)

14 bis 16 Uhr: »Solidarität ist Selbstmord«? – Kooperation statt Konkurrenz.
Kathlen Eggerling (Connex.av), Eva Kiltz (VUT - Verband Unabhängiger Musikunternehmen), Catherine McKercher (Carleton University Ottawa).
Moderation: Johanna Maiwald (Die Linke)

16 bis 18 Uhr: Creative Spaces im Foyer und auf der Bühne
  • Raul Zelik klärt die »Berliner Verhältnisse«
  • Tim Stüttgen & Thomas Mahmoud geräuschen und texten zum geschundenen Arbeitskörper
  • Karsten Krampitz geht dichtend heim
  • Rosa Perutz bilden antinationale Künstler_innenbanden
  • 9to5 kämpfen vernetzt

18 Uhr: Du hast die Wahl: Gulasch oder Gemüsepfanne

19 bis 20:30 Uhr: Creating City – privat, staatlich, öffentlich?
Jaap Draaisma (Broedplaatsen Amsterdam), Klaus Lederer (Die Linke Berlin), Ingo Bader (Technische Universität Berlin)
Moderation: Margit Mayer (Freie Universität Berlin)

21 Uhr: Ofrin Acoustronic Duo (Haifa/Berlin, Electro-NuJazz-Konzert)

22 Uhr: Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot (Abschlusskonzert)

ab 0 Uhr: Party
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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Sohn seiner Klasse

"Du bist ein Teil von der Masse, die 'was ändern kann" rappt Sinan. Hip-Hop goes Klassenkampf:



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Proteste der Anti-Atom-Bewegung verunsichern Schwarz-Gelb



Auch nach 10 Tagen Koalitionsverhandlungen lässt die Anti-Atom-Bewegung in Berlin nicht locker und protestiert vor Ort. Union und FDP wollen zwar die Laufzeitbegrenzungen für Kernkraftwerke aufheben. Doch dies bereits im Koalitionsvertrag festzulegen, traut sich Schwarz-Gelb nicht. Pickelhering berichtet aus Berlin (mit Fotos).
Wenn die Koalitionäre der zuständigen Fachgruppen Umwelt und Wirtschaft tagen, sind die Atomkraftgegner nicht weit. Wie am Dienstagmorgen. Im Eingang der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin haben sie eine Barrikade aus zwei Dutzend selbst gefertigten »Atommüll«-Fässern errichtet. Lautstark geben sie der Bevölkerungsmehrheit eine Stimme, die für den Ausstieg aus der Atomkraft ist.

Rückenwind für Kernkraftgegner

Neben den täglichen "Belagerungen" der Koalitionsverhandlungen, zu denen Interessierte kurzfristig via SMS, E-Mail, twitter oder über die persönliche Ansprache auf der Straße mobilisiert werden, erregen die Aktiven auch mit langfristig geplanten Aktionen Aufmerksamkeit.


(Falls hier keine Diashow angezeigt wird: Zur Fotostrecke ...)

Zum Beispiel am vergangenen Samstag. Über 500 Meter spannte sich das "längste Anti-Atomtransparent der Welt" auf der Wiese vor dem Sitz des Bundestages in Berlin. Menschen und Initiativen aus der ganzen Bundesrepublik hatten der Anti-Atom-Organisation ".ausgestrahlt" ihre selbst gemalten Transparente geschickt. Seit diese am 29. September die "Ständige Vertretung der Anti-AKW-Bewegung" in Berlin eröffnet hat, waren Freiwillige damit beschäftigt, die Transparente zusammenzunähen - auch in der Öffentlichkeit, um weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.

Rückenwind erhalten hat die Bewegung durch die große Anti-Atom-Demonstration am 5. September, an der 50.000 Menschen teilgenommen haben.

Streit in Union und FDP

Union und FDP ist mittlerweile bewusst geworden, dass die Demonstration Anfang September keine Eintagsfliege ist. Das erklärt den derzeitigen Streit zwischen Umwelt- und Wirtschaftspolitikern von Union und FDP. Während Wirtschaftspolitiker beider Parteien die Aufhebung der Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke schon im Koalitionsvertrag befürworten, halten Umweltpolitiker das für einen strategischen Fehler. Denn ein Ausstieg aus dem Atomausstieg ist der Bevölkerung so offen nicht zu verkaufen.

Kanzlerin Merkel hat deswegen den Schachzug vorgeschlagen, die Frage der Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken bis zur Wahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2010 offen zu halten. Reuters berichtete, die Ansage der Kanzlerin sei, »dass im
Koalitionsvertrag nur eine sehr allgemeine Formulierung steht«.

Vom Tisch ist der Ausstieg aus dem Atomausstieg damit nicht. Aber der pausenlose Protest der Anti-Atom-Bewegung zeigt Wirkung. Jochen Stay, Sprecher von ".ausgestrahlt", kündigte eine Intensivierung des Widerstandes an: "Die Verschiebung der Grundsatzentscheidung über die Atomenergie werden wir nutzen, um den Druck auf die künftige Bundesregierung weiter zu steigern."

Nächste Aktionen:
  • Berlin, täglich: Belagerung der Koalitionsverhandlungen. Mehr Infos ...

  • Berlin, 17. Oktober (Sa), 11 Uhr: Menschenkette vor der
    CDU-Parteizentrale (Karte) , Klingelhöferstraße 8. Mehr Infos ..
  • Tübingen, 18. Oktober (So), 15 Uhr: "Warmlaufen für den Widerstand" vom Europaplatz (am Hauptbahnhof) bis zum Rathausplatz. Kontakt: m.mh at gmx.de
Mehr im Internet:
Lesetipp:
  • Reader: "Atomkraft? Nein Danke - Umweltschutz und Marxismus", 37 Seiten, 1,50 Euro, edition aurora 2009. Bestellen per E-Mail an: edition.aurora [at] yahoo.de

  • Homepage und Broschüre: 100 gute Gründe gegen Atomkraft
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Dienstag, 6. Oktober 2009

Hartz IV: "Sanktionen wegbloggen"

Ein Gruppe von mittlerweile 92 Bloggern hat sich in der Online-Initiative "Sanktionen wegbloggen - Blogger gegen Hartz IV-Sanktionen" zusammengefunden.

Sie ruft dazu auf, eine Online-Petition zur Abschaffung der Sanktionen gegen ALG II-Empfänger unterzeichnen - und das Anliegen zu verbreiten.
In einem Aufruf erklärt die Blogger-Initiative, worum es ihr geht. Banner zum Einbinden auf die eigene Website und die Liste der Unterstützer findet ihr ::: HIER :::

Sanktionen wegbloggen
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Sonntag, 4. Oktober 2009

Kapitalismuskritische Bitfilme: Geheiligt werde die Maschine



Videos: Er macht Geräusche wie ein UFO und thront in einer dunklen Wolke über einem hohen Berg: Gott hat die Gestalt eines Kommunikations-Satelliten und und schenkt dem Pilger, der ihn herbeiruft, etwas Unterhaltsameres als Gesetzestafeln.

Die hübsche, bunt blinkende Gabe des Himmelsherrschers entpuppt sich als Fernseher, der die Gemeinschaft der Gläubigen entzückt. Sie heben ihn auf einen Sockel und verehren ihn mit religiöser Inbrunst.
Asiatisches Schattentheater mit digitaler Technik

Doch nach und nach mutiert der lustige Apparat zum teuflischen Gerät: Über den Bildschirm flimmern Bilder von Gewalt und Krieg, die Schrecken verbreiten. Von da an beten die verängstigten Programmgläubigen zu ihrem Fernseh-Götzen nur noch mit Gasmasken.

"Obey His Commands" (Gehorche seinen Befehlen) ist der dritte Teil der kapitalismuskritischen Animationsfilm-Reihe "Bendito Machine" (Heilige Maschine) des spanischen Künstlers Jossie Malis.

Mit digitaler Technik und einer an das alte asiatische Schattentheater angelehnten Ästhetik beschreibt jeder der Kurzfilme unterhaltsam einen anderen Aspekt des Kapitalismus.

Luxus, über dem die Geier kreisen

Im ersten Teil "Everything You Need" (Alles, was du brauchst) führt eine Gemeinde Krieg gegen die andere um den günstigsten Produktionsstandort für die eigene "heilige Maschine". Deren Produkte verwandelt die herrschende Klasse in bare Münze und schwelgt im Luxus. Doch das geht nicht lange gut. Am Ende wird die ganze Zivilisation durch gewalttätige Konkurrenz zerstört und Geier machen sich über deren Reste her.

Gegen Geschäftemacherei richtet sich auch der zweite Teil "Is The Spark of Life" (Funke des Lebens). Hier geht es allerdings um einen skrupellosen Fabrikanten, der mit seiner Produktionsmaschine die Bewohner eines Dorfes zu Alkoholikern macht.

Ausgeklügelte Storyline

Obwohl keiner der Teile länger als sieben Minuten ist, kommt Malis jedes Mal auf den (wunden) Punkt - dank der ausgeklügelten Storylines. Damit hebt sich "Bendito Machines" positiv von vielen anderen im Internet publizierten Bitfilmen ab, deren Macher zwar auf perfekte Texturen und andere technische Details achten, aber langweilen, weil sie die Handlung vernachlässigen.

Auf die weiteren Filme der Reihe, insgesamt sind zehn geplant, darf man gespannt sein.

Alle Teile im Internet:

Bendito Machine I: Everything You Need
Bendito Machine I

Bendito Machine II: Is The Spark Of Life
Bendito Machine II

Bendito Machine III: Obey His Commands
Bendito Machine III
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Donnerstag, 1. Oktober 2009

Schwarz-Gelb lässt die Kassen der Atombosse klingeln



Für die großen Energiekonzerne ist die Bundestagswahl Milliarden wert. Der von Union und FDP angekündigte Ausstieg aus dem Atomausstieg brächte ihnen Zusatzerlöse von 8 Milliarden Euro jährlich. In Baden-Württemberg hat die schwarz-gelbe Landesregierung bereits längere Laufzeiten für zwei Kernkraftwerke verkündet. Doch die Anti-Atom-Bewegung steht schon in den Startlöchern und bereitet Proteste vor. Von Pickelhering
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In Baden-Württemberg zahlt sich der Wahlsieg von Schwarz-Gelb für die Atombosse bereits nach kurzer Zeit aus: Die Landesregierung unter Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat den Atomausstieg für beendet erklärt. Die Kernkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg sollen weiter betrieben werden, sagte gestern die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU).

Zieht Schwarz-Gelb im Bund nach, dann können die Energiekonzerne mit bis zu 8 Milliarden Euro zusätzlichen Einnahmen pro Jahr rechnen, wenn ihre abgeschriebenen Kraftwerke noch 25 Jahre laufen.

Zwölf Milliarden Zusatzerlös für Eon

Analysten der Privatbank Sal. Oppenheim haben laut dem Berliner Tagesspiegel überschlagen, was den Marktführern der Branche eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren einbringt: Eon könnte sich über zwölf Milliarden Euro zusätzlicher Einnahmen freuen, RWE immerhin noch über acht Milliarden. „Kein Wunder, dass die Aktienkurse der Energieversorger am Montag in die Höhe schossen“, so die Zeitung.

Als weiteren Wink an die Atomlobby kann verstanden werden, dass Gönner als künftige Bundesumweltministerin im Gespräch ist.

Griff in die Portemonnaies der Verbraucher

Verbraucher und Steuerzahler kommt der Pro-Atom-Kurs von Union und Liberalen teuer zu stehen. Denn sie müssen die steigenden Energiepreise zahlen, die in die Kassen von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW fließen, an deren Marktmacht auch die neue Regierung nicht rütteln will. Alle vier verdienen auch kräftig am nicht minder dreckigen Geschäft mit fossilen Energien.

Die vier großen Energieversorger teilen sich den Markt in Deutschland auf: Sie erzeugen 80 Prozent der Elektrizität, besitzen fast alle Grundlast-Kraftwerke und kontrollieren das Stromnetz. Den von Klimaexperten eindringlich geforderten Umstieg auf erneuerbare Energien blockieren sie hartnäckig.

Mit einem propagandistischen Kniff wollen Kraftwerksbetreiber und Atomlobby der Bevölkerung Laufzeitverlängerungen schmackhaft machen – in dem sie diese als umweltfreundlich verkaufen. So hat EnBW-Chef Hans-Peter Villis schon vor einem Jahr die strategische Linie für eine schwarz-gelbe Koalition entwickelt: Angebliche „wirtschaftliche Vorteile einer Laufzeitverlängerung könnten in die Energieforschung und den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien investiert werden“, sagte er. Vattenfall-Boss Lars Josefsson sekundierte: „darüber kann man reden“.

Milliardenprofite werden als »Umweltschutz« getarnt

Die neue Bundesregierung hat diese Linie übernommen und wird versuchen, einen Deal mit den Konzernen auszuhandeln: Für den längeren Betrieb alter Reaktoren sollen die Konzerne einen Teil ihrer Gewinne abtreten. Damit könnten erneuerbare Energien finanziert werden, behaupten die Atomkraftbefürworter. Ob die Kraftwerksbetreiber tatsächlich zahlen werden bzw. wie viel, ist allerdings noch nicht ausgemacht.

Als Beruhigungspille für eine Öffentlichkeit, die mehrheitlich für den Atomausstieg ist, wird Schwarz-Gelb diese „Argumentation“ auf jeden Fall verwenden. Zu mehr taugt sie auch nicht. Denn laufen AKWs erst einmal länger, geht der hohe Anteil an Atomstrom im Netz zu Lasten der erneuerbaren Energien. Jochen Stay von der Anti-Atom-Kampagne ausgestrahlt.de bezeichnete in einem Interview mit dem ARD-Morgenmagazin den Vorschlag der Kraftwerksbetreiber deshalb als »vergiftetes Angebot«. Denn durch den Deal würde nicht nur der notwendige Ausbau der erneuerbaren Energien verhindert, auch blieben die Gefahren der Kernkraft weiter bestehen.

»Belagere die Koalitionäre«

Selbstbewusst bereitet derzeit die Anti-Atom-Bewegung weitere Proteste für einen Atomausstieg vor, mit denen sie bereits im Wahlkampf Schlagzeilen machte. Über 50.000 haben Anfang September in Berlin für einen sofortigen Ausstieg demonstriert – auf der größten Anti-Atom-Kundgebung seit 23 Jahren. Damit hat sich die Bewegung sichtbar verjüngt und neue Mitstreiter gewonnen.

Seit Anfang der Woche hat die »Ständige Vertretung der Anti-AKW-Bewegung« in Berlin geöffnet. Sie dient als Anlaufpunkt für alle, die an den Protesten mitwirken wollen. Unter dem Motto »Belagere die Koalitionäre« will die Bewegung Druck machen, während Union und FDP ihre Gespräche über die Regierungsbildung führen. Mit Auftaktaktionen am kommenden Montag wird die Belagerungskampagne beginnen. In Berlin ist der Start für 17 Uhr vor der CDU-Parteizentrale angesetzt. Weiter geht es am 10. Oktober mit dem Ausrollen des »längsten Anti-Atom-Transparentes der Welt«. Geplant ist, dass die Aktion vor dem Bundestag stattfindet.

(Quelle: Den Artikel hat Pickelhering für das Online-Magazin marx21.de geschrieben)

Aktion im Internet:

Argumente im Internet:

Pickelherings Lesetipp:

  • Reader: »Atomkraft? Nein danke – Umweltschutz und Marxismus«, 37 Seiten, 1,50 Euro, edition aurora 2009.Bestellen bei: Bestellen per E-Mail an: edition.aurora [at] yahoo.de (Mit Beitragen von Walden Bello, John Bellamy Foster, Yaak Pabst und Pickelhering)

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